Normalerweise sollten Patienten in ihre Ärzte ja Vertrauen setzen können, gerade wenn es um den gefürchteten Besuch beim Zahnarzt geht. Doch eine neue Studie in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Stern“ und der Ergo Direkt Versicherung zeigt, dass jeder dritte Befund beim Zahnarzt falsch ist. Auch die Beratung zeigt deutliche Mängel. Durchgeführt wurde die Studie als Stichprobenstudie. Je 23 Frauen und 23 Männer hatten sich bereit erklärt, in 114 Arztpraxen bundesweit eine Erstberatung und danach eine anschließende Untersuchung durchführen zu lassen. Drei Zahnärzte und das Kölner Institut für angewandte Verbraucherforschung begleiteten die Studie und werteten sie aus.
Ernüchterndes Ergebnis
Das Ergebnis ist ernüchternd. Im Durchschnitt erreichten die untersuchten Arztpraxen nur eine Schulnote von 3,53. Nur jede dritte Praxis erhielt ein „Gut“ ausgestellt. Immerhin noch 30,7 Prozent der Praxen kamen nur noch auf schlechtes Ergebnis. Die Basis zur Untersuchung bildeten im Detail aufgeschlüsselte Befunde, die im einheitlichen Verfahren von einem Gutachter bewertet wurden. So war sichergestellt, dass das Ergebnis auch möglichst neutral und umfassend dargelegt werden konnte. Dabei spielte der Ausgangsbefund eine ebenso große Rolle in der Bewertung wie auch die Beratung allgemein. Dazu wurden die Tester schriftlich befragt und mussten entsprechende Fragebögen ausfüllen. Bei einem der eigentlich 115 Berichte konnte keine Auswertung stattfinden, so dass diese Praxis nicht mit in das Ergebnisprotokoll aufgenommen werden konnte.
Überversorgung vs. Unterversorgung
Interessant bei den Tests war die Tatsache, dass schwere Fälle unter den Zahnpatienten in der Regel auch schlechtere Erfahrungen bei ihrem Zahnarzt machten, als die leichteren Fälle. Die schweren Fälle kamen dabei nur auf eine Note von durchschnittlich 4,4 Prozent. Bei 35 Prozent aller Fälle wäre der Zahnarzt entweder zu motiviert vorgegangen und hätte mehr behandelt als nötig oder zu vorsichtig und hätte zu wenig behandelt. Manche hatten so ihre liebe Not mit der Erkennung von Karies. Einige Zahnärzte behandelten es trotz Erkennung nicht und dichteten das Problem ihren Patienten an. So kommt ein Schnitt von 13,2 Prozent heraus, bei denen eindeutig überversorgt wurde. Bei 18,4 Prozent der Patienten hätte mehr gemacht werden können bei einer umfassenderen Behandlung. Peter Martin Endres von der Ergo Direkt zum Ergebnis: “Wir hoffen, dass diese Untersuchung eine längst fällige Diskussion anstößt. Denn die Zeche für schlechte Arbeit zahlt am Ende immer der Kunde. Er muss häufiger zum Zahnarzt, es wird teurer. Irgendwann müssen dann die Versicherungen die Tarife erhöhen, weil immer mehr unnötige Rechnungen eingereicht werden.”
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